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Call for Papers: „Wahrheitspraktiken“ (Erfurt, 25.-26.04.2019)

Veranstalter: Bernhard Kleeberg, Professur für Wissenschaftsgeschichte, Universität Erfurt; Laurens Schlicht, Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt „From Polygraph to Brain Scan: Continuous attractivity and sociotechnical reconfiguration of lie detection“, Torsten H. Voigt, Bettina Paul, Larissa Fischer, Universität Hamburg/Universität Aachen
Datum: 25.04.2019 – 26.04.2019, Erfurt
Bewerbungsschluss: 01.02.2019

Wahrheit scheint nur dann sinnvoll zu sein, wenn sie als zeit- und subjektunabhängig be­griffen wird. Und doch ist sie auf innigste Weise auf Praktiken angewiesen, die Akteure in bestimmten Situationen ausüben, auf Techniken, die eingeübt und Verfahren, die angewandt werden. Das, was die Semantik und die kommunikative Logik von Formen von Wahrheit in Gang setzt, scheinen dabei spezifische Formen des Umgangs (mit Subjekten, Positionen, Wissen etc.) zu sein. Wir nehmen an, dass Wahrheit unter anderem als Differenzeffekt auftritt, Liminalität mar­kiert oder Ambiguität re­du­ziert, etwa in Grenz­diskursen oder Si­tua­tionen (krisenhafter) Un­über­­sicht­lich­keit und Un­si­cher­heit. So wird Wahr­­heit implizit im Rahmen von Prak­ti­ken der Wis­­­sensvermittlung ein­ge­setzt, um Wissen von Nichtwissen zu unter­schei­den, wird an­gerufen, um sich seiner selbst zu vergewissern, um trans­ito­ri­sches Wis­sen in Streit­si­tu­a­tionen zu arre­tie­­ren, zu qualifizieren oder von Pseu­do­wis­sen abzu­set­zen, dient als re­gu­la­tive Idee der Mo­ti­va­­tion von Erkennt­nis­fort­schritt, oder als (in-)of­fi­ziel­le Wahrheit der Aus­übung von Macht bzw. dem Aufruf zur Sub­ver­sion.
Im Rahmen ope­­rativer Praxisfelder verschiedener hu­man­wis­sen­­schaftlicher, ad­mi­nis­tra­­tiv-technischer oder ju­­ristischer Bereiche findet sich ein ganzes En­sem­ble in dieser Hinsicht re­levanter Prozeduren: Praktiken des Be­obachtens, Ana­ly­sie­rens, Durchleuchtens, Ergründens und Ermittelns; des Befragens, Ver­hö­rens und des Testens; des Abhörens, Aushorchens und Aus­kundschaftens; das Durchschau­en, Enträtseln und De­ko­die­ren, das Aufdecken und Ent­hül­len; das Offenbaren, Bekennen, Ge­ste­hen und Beichten, das Aus­plaudern, Wahrsprechen und Lü­gen.
Der Workshop begreift diese verschiedenen Wahr­heits­prak­­tiken als Indizien für un­ter­schied­liche Wahrheitsregime, mit ihren je eigenen exem­pla­ri­schen Szenen, Figuren und Theo­rien. Er möchte der Frage, wie Wahrheit in jeweils relevanten gesellschaftlichen Fel­dern ein­ge­­setzt, erzeugt und problematisiert wurde, in einer breiten wissenshistorischen Per­spek­tive mit einem historischen Schwerpunkt auf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach­ge­hen. Die Bei­träge sollen einen Schwerpunkt auf die unterschiedlichen Praxisformen der Wahr­heits­fin­dung legen und die Frage aufwerfen, ob und in welcher Weise sich un­ter­schied­li­che Wahrheits­re­gimes bestimmen und voneinander abgrenzen lassen.

Beitragsvorschläge für Vorträge (ca. eine halbe Seite) sind bis zum 1. Februar willkommen.

Kontakt

Laurens Schlicht

Institut für Kulturwissenschaft
Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, 10099 Berlin

laurens.schlicht@hu-berlin.de

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