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Call for Abstracts: Digitalisierung und Nachhaltigkeit für den Soziologiekongress der DGS und ÖGS

Digitalisierung/Nachhaltigkeit–vor und nach Corona – Sozial- und gesellschaftstheoretische Perspektiven auf das Verhältnis von Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Ad-hoc-Gruppe auf dem gemeinsamen Soziologiekongress der DGS und ÖGS, 23.-25.August 2021, WU Wien

Organisation: Sarah Lenz(Hamburg) und Anna Henkel (Passau)

Ebenso wie Nachhaltigkeit ist Digitalisierung in den letzten Jahren zu einem facettenreichen Leitbegriff des gesellschaftlichen Wandels avanciert. Beides, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, referiert auf für (westliche) Gesellschaften scheinbar unumgängliche Transformationsdynamiken. Gemeinsam ist ihnen, dass sich darin soziale und materiale Dimensionen verschränken, wobei technologische und ökologische Änderungen sowohl Ursache als auch Effekt sozioökonomischer wie kultureller gesellschaftlicher Veränderungen sind. Dabei lassen sich (diskursive und materielle) Verschränkungen zwischen Nachhaltigkeit und Digitalisierung identifizieren, wenn beispielsweise der Einsatz digitaler Technologien auf die Nachhaltigkeitsziele der Ressourcenschonung sowie deren Regenerativität ausgerichtet ist.Beispiele hierfür finden sich nicht nur in Form des papierlosen Büros, sondern auch in Smart-Home-oder Smart-City-Technologien. Unter dem Stichwort der Industrie 4.0 wird Digitalisierung als wesentliche Innovation zur Umsetzung einer auf erneuerbaren Energien basierenden Produktion und somit als Voraussetzung für das Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele diskutiert.

Trotz solcher Entsprechungen von Digitalisierung und Nachhaltigkeit bestehen jedoch Spannungen zwischen diesen beiden gesellschaftlichen Transformationsdynamiken. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise liegt der Fokus, zumindest derzeit, auf der Bedeutung digitaler Technologien für das teilweise Aufrechterhalten von Normalität, während Umweltaspekte, zumindest in den Medien, in den Hintergrund rücken. Die Auswirkungen der Corona Pandemie induziert eine jedenfalls temporäre Verschiebung von Prioritäten zugunsten der Digitalisierung. Zugleich wurde bereits vor der Corona-Pandemie, dass die Digitalisierung unintendiert negative Nachhaltigkeitseffekte haben kann, wenn globale digitale Infrastrukturen klimaschädliche Effekte haben. Digitalisierung steht dabei einem zentralen Nachhaltigkeitsprinzip, der Sicherung von Regenerativität, entgegen. Auch geraten über die Verschränkung beider Felder neu entstehende oder sich weiter manifestierende Ungleichheiten in den Blick. Vor dem Hintergrund eines digital divide werden Fragen verhandelt, die auf die Voraussetzungen digitaler Teilhabe zum Erreichen nachhaltiger Entwicklungsprozesse abzielen, vornehmlich in Ländern des globalen Südens. Damit korrespondieren Debatten, die die Implikationen der Digitalisierung für Normbildung, demokratische Prozesse und die Beschaffenheit gesellschaftlicher Sektoren (Verkehr, Finanzen, Bildung, Gesundheit) beleuchten. Vor diesem Hintergrund ist es aus soziologischer Perspektive erforderlich, diese beiden „Megatrends“ als Transformationsdynamiken gesellschaftstheoretisch in den Blick zu nehmenund ihre gesellschaftliche und politische Bedeutung vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie zu reflektieren.

Dabei sollen Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven (Kritische Theorie, Akteur-Netzwerktheorie, Theorie der Rechtfertigung, Systemtheorie, Praxistheorie, Governance-Theorie, Diskurstheorie, Konventionstheorie) spezifiziert und theoretische wie empirische oder gesellschaftspolitische Verbindungen zwischen beiden ausgelotet werden. Die Beiträge können, müssen sich aber nicht an folgenden thematischen Blöcken orientieren.

-Welchen theoretischen Nutzen hat es, Digitalisierung und Nachhaltigkeitin ihrer Verschränkung zu betrachten? Wie lassen sich diese beiden gesellschaftlichen Leitentwicklungen theoretisch integrieren? Wie lassen sich die variierenden Verantwortlichkeiten in einen theoretischen Dialog bringen?

-Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die politische und gesellschaftliche Gestaltung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus? Ergeben sich etwa neue Möglichkeitsräume für eine nachhaltige Umgestaltung von Gesellschaften oder geraten diese durch die Corona-Pandemie unter Druck? Wie reagieren Nachhaltigkeitsakteure auf die notwendige Nutzung digitaler Technologien zur Aufrechterhaltung der Normalität in der Corona-Pandemie.

-Wie wirken sich Forderungen nach Nachhaltigkeit auf Prozesse der (wirtschaftlichen) Digitalisierung aus? Wo lassen sich Aushandlungsprozesse zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit finden? Wie sind diese beschaffen? Welche Akteure sind zentral an diesen Aushandlungen beteiligt?

-Welche Auswirkungen haben Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie deren Verschränkung auf gegenwärtige soziale Ordnungen? Welchen Einfluss haben gesellschaftliche Ungleichheitskonstellationen auf demokratische Teilhabemöglichkeiten im Kontext von Digitalisierung und Nachhaltigkeit?

Korrespondenzadressen: sarah.lenz@uni-hamburg.de, anna.henkel@uni-passau.de

Bitte reichen Sie Ihren Vortragstitel und Ihr Abstract (max. 2.400 Zeicheninkl. Leerzeichen) bis zum 15. April 2021 online dem Kongressbüro ein.

Der Link lautet: https://www.conftool.pro/soziologie-kongress-2021. Sie müssen sich in conftool für die Einreichung registrieren. Die Registrierung ersetzt nicht die Anmeldung zum Kongress -bitte melden Sie sich im Vorfeld des Kongresses außerdem zum Kongress an. Weitere Informationen dazu finden Sie ab Ende April auf der Kongresshomepage (https://kongress-dev.soziologie.de/anmeldung). Bitte achten Sie bei der Meldung Ihres Beitrages darauf, die korrekte Session auszuwählen.

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