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CfP: Tagung „Praktiken der Konstruktion von Verlässlichkeit wissenschaftlichen Wissens“ (11.-12.4.2019, Halle/ Saale)

Bis zum 15.11.2018 können noch Abstracts für eine Tagung zum Thema „Praktiken der Konstruktion von Verlässlichkeit wissenschaftlichen Wissens“ am Leopoldina-Studienzentrum eingereicht werden.

Datum der Tagung: 11./ 12. April 2019

Ort: Leopoldina-Studienzentrum, Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)

In Zeiten starker Verunsicherung über den Stellenwert des Wahrheitsgehalts von Aussagen – man denke nur an die Rede der Post-Faktizität – tritt die Frage nach der Verlässlichkeit wissenschaftlichen Wissens in den Vordergrund. In welchen Situationen und auf welche Weise wird wissenschaftliches Wissen überhaupt mit konkurrierenden Wissensbeständen verglichen und bewertet? Was sind die Standards der Verlässlichkeit? Was bedeutet dies wiederum für die übergreifende Verlässlichkeit von Wissen und seine Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit? Die Wissenschaftsforschung hat diese Fragen bisher vor allem mit Begriffen wie Objektivität, Neutralität, Robustheit oder den stärker sozial akzentuierten Kategorien der Glaubwürdigkeit, des Vertrauens und der Unabhängigkeit adressiert. Auf je unterschiedliche Weise stehen hier die Beziehungen der Wissenschaft zu gesellschaftlichen Teilbereichen und Institutionen im Mittelpunkt der Analyse. Ob sie als distanziert, wertfrei, moralisch oder flexibel gelten – den Wissenschaften wird abverlangt, für gesellschaftliche Probleme zwar hochgradig relevante Lösungen anzubieten, sich gleichzeitig aber nicht von gesellschaftlichen Interessen einseitig beeinflussen zu lassen, wenn es um die Geltungsstandards des Wissens geht. Dieser „Spagat“ wird, so unsere These, durch differenzierte Praktiken der Konstruktion von Verlässlichkeit geleistet. Dies gilt für technische Kontexte (oft unter dem Begriff der Zuverlässigkeit) ebenso wie für wissenschaftliche Politikberatung.

Die Forderung der Verlässlichkeit verbindet die beiden Pole der Wahrneh­mung von Wissenschaft in der Öffentlichkeit und der Beurteilung wissenschaftlichen Wissens. Oft wird Verlässlichkeit (reliability) dabei im Zusammenhang des innerwissenschaftlichen Bereiches gesehen und mit methodischen und sachlichen Argumenten belegt. Glaubwürdigkeit (trustworthiness) dagegen wird meist im Verhältnis von Wissenschaft und Öffent­lichkeit angesiedelt und ist personal konnotiert. Im wissenschaftlichen Feld selbst gilt nämlich Verlässlichkeit als Beur­teilungs­maß­stab und wird vor allem bei den Fragen der Reproduzierbarkeit oder der (statistischen) Signifikanz thematisiert. Auch bei wissenschaftsinternen Begutachtungsver­fahren (Peer Review) spielt allerdings die Glaubwürdigkeit der begutachteten ForscherInnen eine große Rolle. Der meist in der Öffentlichkeit zum Tragen gebrachte Maßstab der Glaubwürdigkeit betrifft vor allem die Unabhängigkeit von Experten von einseitigen Bindungen. Eine solche Neutralitätsver­pflich­tung ist jedoch für wirtschaftlich vielversprechende und politisch strittige Fragen nur schwer durchzusetzen. Entsprechend spielen andere Methoden der Findung von Expertise eine wichtige Rolle. Dazu zählen zum Beispiel plural besetzte Kommissionen, bei denen dann aber oft das Problem auftritt, eine klare handlungs­relevante Empfehlung auszusprechen. Dieses Wechselspiel von Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit im Spannungsfeld von Wissenschaft und Öffent­lichkeit ist eine zentrale Fragestellung der Tagung. Um das Thema des Workshops zielführend zu bearbeiten, müssen epistemische und gesellschaftliche Faktoren verknüpft werden. Dies erfordert eine Integration der verschiedenen Teilbereiche der Wissenschaftsforschung.

Themenblöcke könnten u.a. sein:

  • Erzeugen von Relevanz und Verlässlichkeit in technischen und wirtschaftlichen Anwendungs- und Begutachtungskontexten
  • Generierung und Produktion von verlässlichem und vertrauenswürdigem Wissen in Beratungsprozessen und dessen Autorisierung, bzw. Selbst-Autorisierung
  • Rolle der Wissenschaftspolitik bei der Formulierung neuer wissenschaftlicher Felder
  • Das Bild von Wissenschaft in verschiedenen Öffentlichkeiten und die Anforderungen an die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit von Wissen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen

Inhaltliche Leitung: Prof. Dr. Carsten Reinhardt ML für die Projektgruppe Wissenschaftsforschung am Leopoldina-Studienzentrum

Bitte senden Sie ein kurzes Abstract (max. eine Seite) für einen Vortrag im Rahmen dieser Tagung sowie einen Kurz-CV (5 Zeilen) bis zum 15. November 2018 an den Leiter des Studienzentrums, Prof. Dr. Rainer Godel: rainer.godel@leopoldina.org. Bitte verwenden Sie dabei als Überschrift der E-Mail „Frühjahrstagung2019″.

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